Mächtige Differenzen am G7-Gipfel

Es sei eine historische Woche gewesen, verkündete Donald Trump vor seinem Rückflug nach Washington. Am Sonntag endete seine achttägige Auslandsreise mit dem G7-Gipfel als krönenden Abschluss. Im italienischen Taormina trafen sich am Wochenende die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industrieländer, die sogenannte „Gruppe der Sieben” (G7), bestehend aus den USA, Grossbritannien, Kanada, Japan, Italien, Frankreich und Deutschland. Am jährlichen G7-Gipfel diskutieren die jeweiligen Staatsoberhäupter über globalwirtschaftliche und weltpolitische Themen.
Im Gegensatz zu Donald Trumps positiven Schilderungen äusserten sich die anderen Mitglieder weit weniger positiv über den Verlauf der Verhandlungen. Die America-First-Politik blockierte die Diskussion zu wichtigen Themen, besonders zu Migration und Klimaschutz. Auf letzteres angesprochen, verkündete Trump nur, dass er sich in einer Woche zum Pariser Abkommen entscheiden werde – er hatte mehrfach angekündigt, dass Amerika aus dem Abkommen austreten werde. Dieses hat zum Ziel, die globale Erwärmung auf unter 2 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen. Das Abkommen war eine Herzensangelegenheit von Obama und wurde vom ehemaligen Präsidenten als „Wendepunkt für den Planeten” betitelt. Das Vertagen der Entscheidung über den weiteren Verbleib führte dazu, dass die Verhandlungen im Sand verliefen. Dazu trug auch Trumps ungezügeltes Temperament bei und selbst Angela Merkel fand deutliche Worte. Sie bezeichnete die Debatte mit der USA als „sehr schwierig, um nicht zu sagen sehr unzufriedenstellend”. Auch die Diskussionen zur Migration blieben wegen den grossen Differenzen zwischen Merkels offener Flüchtlingspolitik und Trumps Isolationspläne fruchtlos, doch zumindest beim Freihandelsabkommen scheinen sich die beiden Parteien wieder ein wenig näher gekommen zu sein.

Die „Gruppe der Sieben” wurde 1975 ursprünglich als Weltwirtschaftsgipfel eingeführt, dessen Hauptzweck es war, Lösungsansätze für die ökonomischen Probleme der 1970er-Jahre zu finden. Erst einige Jahre später wurde der Fokus auch auf aussen- und sicherheitspolitische Themengebiete gerichtet. 1998 wurde Russland zum achten Mitglied, vor drei Jahren verliess Russland aufgrund der Annexion der Krim die Gruppe wieder.
Schon seit einer Weile muss der G7-Gipfel harsche Kritik über sich ergehen lassen. 2015 kostete das Treffen mehr als 135 Millionen Euro, das diesjährige Treffen wird voraussichtlich nicht weniger kostenintensiv sein. Ist es das wert? Auch der Vorwurf, nur noch eine Inszenierung zu veranstalten, trägt nicht zu einem positiven Image bei. Ausserdem, wer sich die Mitgliedsstaaten ansieht, wird schnell bemerken, dass China und einige weitere Grossnationen nicht vertreten sind: Die seit über 50 Jahren bestehende Gruppe scheint sich nicht an die aktuelle globale Wirtschafts- und Politiksituation angepasst zu haben. Dass nebenbei das Treffen von unzähligen Fauxpas, die vom politischen Geschehen ablenkten, überschattet wurde, wirkte selbstverständlich nicht förderlich.

Haupterkenntnis dieser Verhandlungen ist wohl, dass die Kluft zwischen Amerika und Europa immer grösser wird – Journalisten bezeichnen das Treffen mittlerweile schon als G6+1-Gipfel.

 

Quellen und weiterführende Links:

http://www.faz.net/aktuell/politik/thema/g7-gipfel

https://www.nzz.ch/international/fiasko-in-taormina-trump-praegt-g-7-gipfel-durch-blockade-ld.1297466

https://www.srf.ch/news/international/grosse-differenzen-mit-trump-am-g7-gipfel

  • Philippe Kramer
    Philippe Kramer

    Chefredaktor

    Ich bin Schüler am Gymnasium Leonhard und bin seit dem Sommer 2017 Chefredakteur bei Quint. In meiner Freizeit interessiere ich mich für Fotografie und Bildbearbeitung. Doch in keinem Lebensbereich darf die Leidenschaft für gute Diskussionen zu kurz kommen.

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